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Perspektive Traumberuf – trotz Autismus

Ravensburg - Im Berufsbildungswerk Adolf Aich der Stiftung Liebenau können Menschen mit Autismus ihren Schulabschluss oder eine Ausbildung schaffen – und erhalten überdies einen Werkzeugkasten für ein gutes Leben. Niklas Noack ist einer von ihnen.

Das Foto zeigt Niklas Noack.

Niklas Noack (18) ist einer von rund 150 jungen Menschen im Autismumsspektrum, die im BBW Ravensburg eine Berufsvorbereitung oder Ausbildung absolvieren.

Wer ihn beobachtet, traut seinen Augen und Ohren kaum. Fast frei referiert Niklas Noack an diesem Morgen vor seiner alten Klasse über seine Schulzeit und die Ausbildung im Berufsbildungswerk der Stiftung Liebenau (BBW). Der 18-Jährige sucht den Augenkontakt zu seinen Zuhörern, streut ab und zu Scherze ein und hat sich kleine Aufgaben überlegt, zum Beispiel, sich selbst kurz zu präsentieren. Doch Niklas ist kein gewöhnlicher Azubi. Er ist ein Mensch im Autismusspektrum.

 

Dunkelziffer bei Mädchen hoch

Grob geschätzt leidet rund ein Prozent aller Menschen in Deutschland an dieser Störung der Informations- und Wahrnehmungsverarbeitung, wobei die Dunkelziffer - vor allem bei Mädchen - deutlich höher liegen dürfte. Rund 150 von ihnen werden von den Expertinnen und Experten des BBW in Ravensburg bei der Berufsvorbereitung und Ausbildung begleitet.

 

Eines von zwei Kompetenzzentren Autismus im Land

Das BBW ist eines von derzeit nur zwei zertifizierten Kompetenzzentren Autismus in ganz Baden-Württemberg. Die fachlich hochwertige Diagnostik, eine klare Kommunikation und verlässliche Strukturen zählen zu den Qualitätsstandards, nach denen Pädagogen, Psychologen, Ausbilder und Berufsbegleiter hier arbeiten. Denn so vielfältig die Ausprägungen im Autismus sind: Bestimmte Auffälligkeiten im sozialen Umgang mit Mitmenschen, in der Kommunikation, in sich wiederholenden und stereotype Verhaltensweisen weisen fast alle Betroffenen auf.

 

Ein Ort, an dem man Freunde finden kann

So war es auch bei Niklas, der zwar recht gut durch seine Schulzeit kam, sich aber dennoch für ein Vorqualifizierungsjahr Arbeit und Beruf (VAB) und eine anschließende Ausbildung als Fachinformatiker am BBW entschied. Aus seiner Sicht ein Glücksfall: „Das VAB ist eine gute Sache, wenn man noch auf wackligen Beinen steht“, berichtet er den Schülerinnen und Schülern an diesem Morgen. „Denn wer die Berufsvorbereitung durchläuft, hat anschließend einen Ausbildungsplatz sicher.“ Mindestens genauso wichtig sei das Miteinander: „Als ich in die Klasse kam, habe ich direkt einen Freund gefunden. Und in der Ausbildung trifft man immer wieder auf Leute, die mit Problemen zu kämpfen haben und denen man anmerkt, dass sie auch jemanden suchen.“

 

„Dauerpraktikant“ bei Winterhalter

Beim BBW freut man sich über solches Feedback. Schließlich versteht man sich als Perspektivengeber, der jungen Menschen einen Werkzeugkasten für ein gutes Leben an die Hand geben möchte. Auch Niklas konnte hier Stabilität und Selbstvertrauen tanken. Seine berufliche Perspektive ist schon länger klar. Fürs Programmieren interessiert er sich schon seit der fünften Klasse, mit 15 hat er erstmals ein Praktikum bei Winterhalter absolviert. Seitdem ist er als „Dauerpraktikant“ in der IT-Abteilung des Spülmaschinenherstellers aus Meckenbeuren gerne gesehen.

 

Offener Umgang mit Autismusstörung

Sein dortiger Betreuer Sven Carstens war im Vorfeld über Niklas‘ Autismusstörung informiert, wäre selbst aber nie auf die Idee gekommen. Er hat einen „wissbegierigen und offenen“ Praktikanten erlebt. Niklas selbst hat den Kollegen am Ende der ersten Praktikumswoche von seiner Störung erzählt. So macht er es immer. „Und wenn jemand dann sagt: Ich habe keinen Bock auf dich, weil du Autist bist, dann ist es für mich auch gut, denn mit so jemanden möchte ich auch nichts zu tun haben.“

 

Bei Winterhalter, einem der vielen Unternehmen, mit denen das BBW kooperiert, war dies anders. Hier weiß man zu schätzen, dass die meisten Menschen mit Autismus entgegen des Klischees zwar keine Mathegenies sind, wohl aber zuverlässige, pünktliche und sorgfältige arbeitende Teammitglieder sind – Fähigkeiten, die in Zeiten des Fachkräftemangels erst recht gefragt sind. Der nächste Praktikumsplatz für Niklas ist „bereits reserviert“, versichert Sven Carstens. Für den jungen Mann ein Motivationsschub auf dem Weg in ein gutes Leben: „Mein Traum ist greifbar geworden“.

 

 

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